Mittwoch, 7. Dezember 2011

Tag 14 nach der Erstanpassung

Vorgestern hatte ich nun die 2. Anpassung. Dort konnten wir die Hörschwellen etwas anheben, insbesondere im Tieftonbereich. Stimmen sind aber immer noch sehr undeutlich zu hören. Grund hierfür ist, daß wie es im Audiogramm unten zu sehen ist, meine Hörschwelle auf dem CI-Ohr immer noch knapp unterhalb der Sprachbanane verläuft.

(Vorlage von Med-El) Ergänzt um meine Hörkurven auf dem
CI-Ohr vor der OP (rot) und nach der 2. Anpassung (grün).
Durch Training, Gewöhnung und regelmäßige Anpassung werden wir versuchen, die Hörschwelle über die Sprachbanane anzuheben. In diesem Zuge kann ich dann auch das Erkennen von Geräuschen und Sprachverstehen üben. Ziel der Anpassungen ist es, daß, sobald es von mir akzeptiert werden kann - d.h. es mir nicht zu laut wird, die Dynamik jeweils erweitert wird. Die 4 Programme des Opus2 sind mit jeweils etwas mehr Lautstärke und Dynamik belegt, so kann ich selbst nach Bedarf in Abstand von einigen Tagen jeweils nachstellen bis zur nächsten Sitzung bei der CI-Anpassung. Mit genügend großer Dynamik wird dann später auch Sprachverstehen möglich werden. Einen dazu passenden Artikel von Heike Bagus habe ich hier bereitgestellt (hier gefunden). Dort könnt ihr über die Ziele und Vorgehensweise einer CI-Anpassung nachlesen.

Dies wird bei mir, bedingt durch die seit Geburt, über 40 Jahre, bestehende Fast-Taubheit, wahrscheinlich ein längerer Prozeß über Monate... Etwa Winter 2012 wissen wir dann mehr. ;-)

Verblüfft bin ich aber, wie deutlich und satt tieftönend ich z.B. nun seit der letzten Anpassung das Poltern und Rumpeln meines Autos beim Fahren über Bodenwellen und Schlaglöchern höre. Das haben so bisher meine Hörgeräte, auch nicht die Phonak Naida, wohl wegen der von mir benötigten starken Kompression nicht übertragen!

Ich kann zur Zeit auch nicht bestätigen, daß CI's grundsätzlich hochtönend klingen. Klar, dadurch, daß die Bandbreite nun deutlich größer ist, klingt vieles heller, schriller, weil im Vergleich zu früher bei den Klangbildern der Geräusche bis zu 4-fach neue Hochton-Frequenzen dazugekommen sind. Seit der letzten Anpassung höre ich aber auf dem CI-Ohr auch viel Tieftönendes ähnlich tief wie auf dem HG-Ohr. Andere Geräusche überträgt das Hörgerät links wg. der Kompression nicht, wie z.B. das oben genannte Poltern beim Fahren!? Verwirrend ist bei vielen Geräuschen jetzt momentan dabei auch die teilweise größere Dynamik auf dem CI-Ohr im Vergleich zum HG-Ohr.

Spannend ist es :-) Zum Vokale hören reicht es leider noch nicht - somit Geduld, nur Geduld, heißt auch hier die Losung!

Kommentare:

  1. Hallo Jürgen,

    ich finde Deinen Blog Blog toll und sehr interessant. Besonders die Berichte wie sich Dein neues Gehöhr entwickelt sind für mich hilfreich, da ich in etwa die gleiche Hörbiographie aufweise. Sie geben mir Aufschluss was auf mich zukommt und welche Vorgehensweise bei der Erstanpassung für mich in Frage kommt. Es zeigt mir, dass wohlmöglich eine wöchentliche Anpassung die Hörentwicklung besser berücksichtigt als eine 5-Tage-Erstanpassung.
    Gruß
    Schera

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  2. Danke schön, Schera! Ich denke, daß es am besten ist, ich berichte mal immer wieder ausführlich wie es mir ergeht, auch wenn es nicht immer gleich so positiv ist und es Durststrecken geben kann! Das wünschte ich mir bei vielen gefühlsmäßig rosa gefärbten Berichten, die ich bei meiner Entscheidungsfindung, las... Dann können sich die Nachfolger ;-) sich auch guten Gewissens für oder gegen ein CI entscheiden! Gruß, JH

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  3. Hallo J.,

    wie ist jetzt dein Restgehör in der Kurve? Meiner hat ähnlich wie deine vor der OP ausgesehen und jetzt habe ich keines mehr. Dafür profitiere viel vom Ci, sodaß gut verschmerzen kann.
    Mich wundert einwenig, daß deine Aufblähkurve mit Ci ziemlich weit unten bei 50 db liegt?!, daher kannst noch nicht viel an Sprache verstehen. Sicher wird zur nächsten Anpassung besserer werden.
    Der Artikel von Heike Bagus ist sehr interessant und genauso ist es ...

    Viel Erfolg mit Hören üben!

    LG, Liane

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  4. Hallo Liane, Tja, vertrage momentan nicht viel mehr an Stimulation, wird mir zu laut! Das wird im Lauf der Zeit nach Gewöhnung sicher besser...

    Zum Restgehör: das ist zur Zeit etwas unklar, der Bassbereich wird ziemlich gekappt worden sein durch die Insertion des Elektrodenträgers. Insgesamt sollte allerdings noch einiges vorhanden sein, weil ich merke, daß sich immer wieder etwas "öffnet" und dann plötzlich deutlich mehr höre auch ohne CI. Offensichtlich ist einiges im Mittelohrbereich (die Gehörknöchelchen) noch verklebt?! Werden mal auch noch die Knochenleitung überprüfen, dann sollte klar sein, was prinzipiell noch da ist...

    Viele Grüße, JH

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  5. Hallo J.
    ich habe Deinen Blog erst vor 2 Tagen entdeckt, obwohl ich mich mit der CI-Thematik schon seit längerem beschäftige. Deine alte Hörkurve ist auf meinem "guten linken Ohr" so gut wie identisch, hier trage ich zur Zeit ein IdO-Högerät Excelia von Phonak. Rechts ist das Restgehör wesentlich schlechter, so daß ich hier nie ein Hörgerät akzeptiert habe. Mein letzter Versuch war im letzten Sommer auf dieser Seite, ein Naida-Gerät zu tragen, es war allerdings vom Klang her grauenvoll, so daß ich das Gerät gerne nach der vierwöchigen Probetragezeit zurückgegeben habe.
    Nun liegt bei mir demnächst auch eine CI-OP auf der rechten Seite in der MHH an.
    Ich finde Deinen Blog sehr gut, weil Du Dich diffenrenziert mit den einzelnen CI-Typen auseinandergesetzt hast und meine Vermutungen bestätigt. Nach eingehenden, eigenen Recherchen im letzten Jahr habe auch ich mich für ein CI von der Firma Med-el entschieden und bin jetzt gespannt auf meine noch bevorstehenden Abenteuer. Auch ich rechne mit einer sehr langen Anpassungsphase, da ich seit 44 Jahren im Alter von 1 1/2 Jahren ertaubt bin und so gut wie nie ein Hörgerät auf der rechten Seite getragen habe.
    André

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    1. Hallo Andre,

      ich freue mich, daß der Blog dir hilft. Ich wünsche Dir für die Zeit der OP und danach viel, viel Geduld! Rechne eher mit einem Jahr, bis ggf. dein CI-Ohr annähernd die "normale" Hörschwelle erreicht und alle Geräusche u. Frequenzen ohne Ziepen akzeptiert!

      Je kürzer dagegen die Phase der Taubheit, desto schneller kann die Anpassung erfolgen.
      Ein spätertaubter Senior, den ich am Tag der Erstanpassung traf, hat dagegen bei diesem ersten Termin, sofort gehört u. verstanden!

      Gruß, JH

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  6. Moin zusammen,

    hier bin ich offensichtlich richtig (in diesem Blog). Ich bin begeistert von den vielen Infos, Anregungen und Hinweisen. Kann es ein, dass André (Beitrag siehe etwas weiter oben) ein unbekannter Zwillingsbruder von mir ist? Ich bin rechts – bis auf minimalste Hörreste, ein normales HG bringt nix – ertaubt, links so bei um und bei 50 Prozent. in vier Wochen nun ist CI-OP. Wenn ich Eure Geschichten hier so lese, überkommt mich große Freude und Spannung. Ich hoffe, dass die Sache bei mir funktioniert. J.: Bitte berichte weiter über Deine Erfahrungen bei der Anpassung. Das kann nur gut sein und wird helfen.

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Torsten

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    1. Hallo Torsten, freut mich, daß es dir gefällt! Wünsche Dir viel Glück und Geduld für die OP und Reha danach! Gruß, JH.

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